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BAUCHGEFÜHLE

Wenn der Bauch entscheidet

Die Wissenschaft liefert uns laufend neue Erkenntnisse. Die kann man entweder ignorieren oder als Neuigkeiten zur Kenntnis nehmen. Im letzteren Fall versuchen wir, sie mit unseren bisherigen Erfahrungen abzustimmen und in unser Wissen einzuordnen. Die Rückschlüsse, die man aus solchen Vergleichen mit vorhandenem Wissen zieht, können allerdings auch ziemlich daneben gehen.

Vor einiger Zeit wurde zum Beispiel entdeckt, dass im Darm viele Millionen Nervenzellen existieren. Naheliegend, aber Unsinn, war der Gedanke, wir hätten also eine Art zweites Gehirn im Darm! Mancher dachte gar, es wäre damit erklärt, wieso wir Entscheidungen aus dem Bauch heraus treffen können. Wenn sich mehr Nervenzellen im Darm befinden als im Kopf, müsste diesen Entscheidungen also auch mehr Gewicht zugemessen werden. Selbst in seriösen Wissenschaftszeitungen waren solche messerscharfen Fehlschlüsse zu lesen.

Tatsächlich ist es so, dass diese vielen Nervenzellen die Muskelbewegung des Darmes steuern. Dazu ist eine nämlich eine aufwändige Feinabstimmung notwendig. Schließlich soll sich die Bewegung in einer kontrollierten Welle erfolgen und der Darm sich immer nur nach außen entleeren! Müsste sich das Gehirn mit dieser komplexen Aufgabe befassen, wäre seine Kapazität schnell allein mit der Verdauung ausgelastet. Deshalb hat der Darm eine eigene Steuerzentrale.

Denken tun wir natürlich weiter mit dem Kopf. Dass unsere Intuition ein ganz passabler Ratgeber sein kann und "Bauchentscheidungen" nicht die schlechtesten sind, das ist mittlerweile auch wissenschaftlich anerkannt.

Quelle: Thomas Klüh

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